BIKE-MARATHON-SCHWEIZERMEISTERSCHAFT 2011:
27.08.11
Gold und Silber für Stöckli!!

Schweizermeister Urs Huber und Vize-Meisterin Nadia Walker
Urs Hubers Traum ist mit dem Bikemarathon-Titelgewinn in Scuol endlich in Erfüllung gegangen!
In einem superharten Rennen, das sogar abgebrochen werden musste, kämpfte er vor allem gegen eines: das Wetter. Mit Nadia Walker konnte sich zudem eine Stöckli-Fahrerin die Silbermedaille umhängen lassen.
Beim Start morgens um 7.15 Uhr in Scuol hielt der Föhn noch gegen die herannahende Schlechtwetterfront, die Gewitter, Hagel, Starkregen und einen massiven Temperatursturz bewirkte. Das Rennen nahm seinen gewohnten Gang. Die Favoriten Urs Huber, Lukas Buchli, Alexandre Moos, Andreas Kugler, Konny Looser und Thomas Stoll formierten sich in der ersten Steigung nach Costainas zur Spitzengruppe. Kurz vor dem Kulminationspunkt setzte erstmals Regen ein, der immer stärker werden sollte. Im Anstieg zu Döss Radond wurden die Karten aufgedeckt. Huber, Moos und Buchli vermochten sich leicht abzusetzen, da wurde Buchli kurz vor der Abfahrt von einem Platten Reifen ausgebremst.
Noch immer verhielt sich das Wetter aprilhaft. In Livigno, bei halber Distanz (km 70) zeigte sich sogar kurz die Sonne, bevor die Spitzenfahrer in die Hauptsteigung stachen, den 2700 Meter hohen Chaschauna-Pass, zugleich das Dach der 138-Kilometer-Tour. Huber fuhr inzwischen knapp eine Minute vor Moos. Auf der dritten Position folgte Kugler, dann Buchli und Stoll. «Als ich in der Steigung den blauen Himmel sah, habe ich mich noch gefragt, weshalb ich meine Regenjacke dabei habe», erinnert sich Huber.
Was die Fahrer zu diesem Zeitpunkt noch nicht wussten: Am Chaschauna staute sich die Kaltfront. «Die Steigung auf der italienischen Seite war noch recht angenehm zu fahren. Oben jedoch fuhr man wie in einen Kühlschrank. Plötzlich war es eiskalt», erinnert sich Buchli. Die beiden Spitzenfahrer Huber und Moos liessen sich davon aber nicht beirren und setzten ihr Rennen mit unvermindertem Tempo fort. Als es dann auf dem Pass aber auch noch zu schneien begann, entschied OK-Präsident Urs Wohler um die Mittagszeit, den Übergang für alle weiteren Fahrer zu sperren.
Zu diesem Zeitpunkt passierte Huber fünf Minuten vor Moos und 13 Minuten vor Stoll bereits Zernez und nahm die letzten 35 Kilometer in Angriff. Als Erster im Ziel war jedoch Moos, der offenbar von einem Streckenposten in Ftan direkt ins Ziel gewiesen wurde. Huber erreichte kurz darauf das Ziel. Er war der einzige der Spitzenfahrer, der die gesamte Distanz regulär zurückgelegt hatte.
Jury-Entscheid: Durchfahrtszeit in S-chanf bzw. Livigno
Die Jury entschied deshalb, die Durchfahrtszeit zum Zeitpunkt des Rennabbruchs für die Bikemarathon-Schweizermeisterschaft zu werten. Bei den Männern zählte der Kontrollpunkt in S-chanf, 47 km vor dem Ziel; bei den Frauen jener in Livigno, 68 km vor dem Ziel. Die Schweizermeisterschafts-Medaillengewinner heissen demnach Urs Huber (Gold), Alexandre Moos (Silber) und Thomas Stoll (wie im Vorjahr Bronze), beziehungsweise Milena Landtwing (Gold), Nadia Walker (Silber) und Andrea Kuster (Bronze).
Alles keine Zufallsplatzierungen, selbst wenn beispielsweise Moos natürlich nicht begeistert vom Entscheid war. «Das Rennen ist auf der Ziellinie fertig. Ich war dabei, den Rückstand zu Huber wettzumachen», sagte der Romand. Buchli dagegen zeigte sich versöhnlich, auch wenn er wenige Meter vor der Zeitmessung in S-chanf angehalten hatte, um sich eine Jacke anzuziehen und dabei wohl die Bronzemedaille vergab: «Ich hatte eine schwierige Woche, konnte mich einfach nicht richtig erholen. Dazu passt das heutige Rennen.»
Landtwing und Walker pickelhart
Bei den Frauen waren Landtwing und Walker die einzigen, die es noch über den Chaschauna-Pass schafften, ehe sie wie die Männer in S-chanf aus dem Rennen genommen wurden. «Und das, obschon ich vorne nur noch das grosse Kettenblatt zur Verfügung hatte. Unterwegs hat sich das kleine gelöst. Ich konnte es deshalb nicht mehr benutzen», sagte die St. Moritzerin und freute sich über ihren Titelgewinn. Ebenso die Urnerin Walker: «So lange habe ich auf eine SM-Medaille hingearbeitet. Nun hat es endlich geklappt.»
Urs Huber war einfach nur froh, es endlich ins Ziel geschafft zu haben. «Ich hatte noch nie so kalt in meinem Leben. Und ich trainiere auch bei schlechtem Wetter», sagte er wieder aufgewärmt anlässlich der Siegerehrung. Erstaunt war er später über die Auswertung seiner Vitaldaten, die er während des Wettkampfes aufgezeichnet hatte: «Ich hatte noch nie derartige Sprünge in meiner Pulskurve. Das Rennen war absolut grenzwertig. Am Schluss bin ich nur noch im Automatikmodus gefahren. Ich wusste, dass ich an der Spitze lag und wollte diesen Titelgewinn um nichts in der Welt mehr preisgeben, nachdem ich in den Jahren zuvor jeweils so viel Pech an Titelkämpfen gehabt habe. Nicht ungefährlich...»
Konny Looser gab das Rennen gezeichnet von den Strapazen bereits in Livigno auf.
«Wir mussten das Rennen abbrechen. Dass ein derartiger Entscheid nicht nur Freude auslöst, liegt in der Natur der Sache», erklärte OK-Präsident Urs Wohler. Dass rund 200 Teilnehmer mit Unterkühlungssymptomen gepflegt werden mussten zeigt jedoch, dass der Rennabbruch eine angemessene Massnahme war.
Resultate
Männer (91 km): 1. Urs Huber (Jonen) 4:16:28. 2. Alexandre Moos (Miège) 1:05. 3. Thomas Stoll (Osterfingen) 7:10. 4. Andreas Kugler (Frasnacht) 7:16. 5. Lukas Buchli (Samedan) 17:36. 6. Hansueli Stauffer (Sigriswil) 25:17. 7. Damian Perrin (Bern) 36:32. 8. Friedrich Dähler (Ettingen) 39:51. 9. Philipp Gerber (Aeschi b. Spiez) 40:02. 10. Florian Bolt (Wetzikon) 52:31.
Frauen (70 km): 1. Milena Landtwing (St. Mortiz) 3:42:59. 2. Nadia Walker (Altdorf) 7:29. 3. Andrea Kuster (Davos Dorf) 18:15. 4. Sofia Pezzatti (Biasca) 22:49. 5. Alexandra Clement (Altstätten, SG) 25:27.